Bei dem gut besuchten Gemeinschaftskonzert der Musikschule Marburg und des Gymnasium Philippinum präsentierten die jungen Schüler ihre musikalischen Fähigkeiten mit einer anspruchsvollen Auswahl an Musikliteratur. Nicht nur mit Mozart oder Bach begeisterten sie die Zuhörer, sondern ebenso mit weniger bekannten oder eher außergewöhnlichen Stücken.
Erstaunlich viele begabte Schüler und Lehrer unserer Schule und der Musikschule Marburg wirkten am Mittwoch (24. Mai 2006) bei dem Konzert im Festsaal der Freien Waldorfschule mit und präsentierten eine große Bandbreite an Musikstücken. Etwa 350 Personen lauschten an diesem Abend der fast ausverkauften "Sonare", welche sich nicht nur aus Eltern, Lehrern und Mitschülern der Musiker zusammensetzten, sondern ebenso aus anderen Interessierten und Mitgliedern des Rotary - Clubs Marburg Schloss, welcher das Konzert finanziell unterstützte.
In einer humorvollen Begrüßung schilderten die Direktoren beider Schulen, wie es zu diesem Konzert kam. "Dies ist das erste Konzert dieser Art", erklärte Knut Kramer, der Leiter der Musikschule Marburg. Die beiden beteiligten Schulen arbeiten seit mehreren Jahren eng zusammen. So kamen Lehrer der Musikschule einmal in der Woche an das Gymnasium, um Streicherklassen auszubilden. "Später kamen auch noch eine Big Band und die Bläserklasse dazu".
Die Eröffnung eines Orchesters sei nicht geplant gewesen, es kam eher zufällig dazu, da es sehr viele talentierte Musiker gebe, so Wolf-Dieter Stein, unser Schulleiter. Die Organisation für dieses Konzert sei schwer gewesen, nicht nur wegen der zahlreichen Proben, die vor allem an Wochenenden bzw nachmittags stattfanden, um auch den Musikschülern, die nicht das Philippinum besuchen, die Teilnahme am Orchester zu ermöglichen, sondern auch von der finanziellen Seite her, meint Stein. "Daher danke ich dem Rotary-Club Marburg Schloss für die finanzielle Unterstützung". Laut Kramer diene das Konzert nicht nur der Präsentation der Fähigkeiten, sondern ebenso zur Motivation der Musiker.
Eröffnet wurde das Konzert sehr viel versprechend vom Chor des Philippinum unter der Leitung von Bianca Nassauer. Neben Wolfgang Amadeus Mozarts "Laudate Dominum" mit einem Sopran- Solo von Marion Clausen, überzeugten die jungen Sänger auch mit französischen Stücken aus der Filmmusik zu "Die Kinder des Monsieur Matthieu".
Mit dem Gospel "Halleluja, Salvation and Glory" animierte der stimmlich breit gefächerte Chor nicht nur das Publikum, auch die jungen Männer bewiesen hier kräftige Stimmen. Eine gelungene Interpretation von Mozarts "Eine kleine Nachtmusik" lieferte das Querflötenensemble des Philippinum, ebenso wie das mit Schwung gespielte "Le petit negre" von Claude Debussy. Leider ging das Ensemble neben der übrigen Bühnenausstattung im Hintergrund etwas unter. Fertigkeiten am Klavier bewies im Anschluss Dascha Kozlov mit einem Stück von Johann Sebastian Bach.
|
Etwas Anderes zeigte das Percussion - Ensemble an diesem Abend. Die Musiker spielten anfangs nicht nur bis zu drei Instrumente pro Person, sondern bewiesen auch, dass man ohne Instrumente gute Musik machen kann und zeigten Rhythmusgefühl im Musizieren mit Händen und Füßen. Nach dieser kurzen Abwechslung zur klassischen Musik zeigten Dascha Kozlov am Klavier und Guido Müller mit der Querfl öte ein harmonisches Zusammenspiel bei ihren Stücken von Wilhelm Popp und Mihà ly Hajdu. Diesen standen die Solisten Charlotte Mengel (Violine) und Friederike Mühle (Klavier), die bei ihrer Interpretation sehr viel Gefühl zeigten, mit einer melancholischen Ballade von Antonin Dvorák in nichts nach.
Nach einer kurzen Pause fand die "Sonare" eine nicht weniger anspruchsvolle Fortsetzung mit dem Streichorchester des Gymnasiums unter der Leitung von Burchard Schäfer. Hier demonstrierte der erst zwölfjährige Solist Jonas Schumann sein Können mit der Querfl öte bei einem Stück von Carl Stamitz. "Er war immer hervorragend vorbereitet und spielte sofort wie ein Profi mit dem Orchester zusammen", erzählt Schäfer begeistert. Anschließend zelebrierte Jonas Neubauer den langsamen Satz des Cellokonzerts von L.Boccherini eindrucksvoll. Sein warmer und voller Ton verschmolz mit dem zart begleitenden Streichorchester eindrucksvoll.
Es folgte das von allen spannend erwartete große Klavierkonzert von W.A. Mozart A-Dur KV 488. Dieses Konzert wird in allen Konzertsälen der Welt gespielt und gilt als musikalisch äußerst schwierig. Die Solisten Solvejg Henkhaus, Friederike Mühle und Lukas Rommelspacher, die je einen Satz des Klavierkonzertes präsentierten, meisterten nicht nur die technischen Schwierigkeiten beeindruckend, sondern überzeugten auch durch ihre große Musikalität und differenzierte Aus- drucksfähigkeit. An dieser Stelle sei allen Musikschullehrern ein großes Lob gezollt.
Die Darbietungen aller Schülerinnen und Schüler dieses Abends ging über das "normale" Musikschulniveau weit hinaus. Für einen runden Abschluss des Konzerts sorgte under großes Orchester mit Melodien aus "Rigoletto" von Giuseppe Verdi und Georges Bizets Marsch aus "Carmen". "Ein Ziel dieses gemeinsamen Konzerts war es, herausragende Solisten zu präsentieren", so Schäfer. Mit den Proben seien die Beteiligten bereits seit Ende Januar beschäftigt gewesen. "Ich bin sehr dankbar, dass ich einmal dieses große Mozartkonzert dirigieren durfte", beschreibt er seine Gefühle. Mit dem Verlauf des Konzerts sei Schäfer sehr zufrieden. Des Weiteren habe er sehr viel gelernt, aber vor allem haben die Proben mit den jungen Solisten viel Spaß gemacht. "Alle erschienen immer ohne Murren bei den vielen Proben", freut sich der Leiter der Orchester. Alles in allem lässt sich sagen, dass dies ein sehr gutes und anspruchsvolles Konzert war und jeder der Beteiligten eine außerordentliche Begabung an den Tag legte, was den Zuhörern einen kulturellen und angenehmen Abend verschaffte.
Patricia Kutsch
|